berchtoldkrass

Dichtebild – Raumanalyse und Perspektiven zur Siedlungsdichte
Metropolregion Rhein-Neckar, Deutschland

Eckdaten anzeigen
Auftraggeber:innen
Metropolregion Rhein-Neckar
Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim
Ansprechpartner:innen
Olaf Busch – Metropolregion Rhein-Neckar
Leistungen
Strategie zur Dichte, Dichtebild, Siedlungsstrukturanalyse, Siedlungsdichteanalyse, städtebauliche Skizzen
Art des Auftrags
Bearbeitung nach Bewerbungsverfahren, Förderung durch das BBSR im Auftrag des BMWSB
Bearbeitungszeitraum
Juli 2024 bis Juni 2025

Die Metropolregion Rhein-Neckar (MRN), vor allem der Nachbarschaftsverband Mannheim-Heidelberg (NV), als Kernraum der Region, sieht sich mit der vielerorts vorherrschenden Herausforderung konfrontiert: Eine flächensparende Siedlungsentwicklung in Verbindung mit einem steigenden Nachfragedruck auf dem Wohnungsmarkt sowie einer anhaltend hohen Zuwanderung zu vereinbaren. Hinzu kommt, dass die Möglichkeiten neuer Siedlungsentwicklungen begrenzt sind, da neue Baugebiete im Zielkonflikt mit den Anforde­rungen des Natur-, Landschafts- und Freiraumschutzes kollidieren.

In den ländlicheren Teilräumen zeigt sich zwar eine geringere Nach­frage nach Wohnraum, dennoch steigt dort die Flächeninanspruchnahme pro Kopf – bedingt durch flächenintensive Baustrukturen und demografische Veränderungen – weiter an. Daher gewinnt die Frage, wie neuer Wohnraum und die Reduzierung der Flächenneuinan­spruchnahme miteinander in Einklang gebracht werden können, in der gesamten Region an Bedeutung. Die Erhöhung der Siedlungs­dichte gilt dabei als zentrales Steuerungsinstrument.

Der Nachbarschaftsverband Mannheim-Heidelberg (NV) diente im Rahmen des Konzepts als „Lupenraum“, um die bestehenden Siedlungsstrukturen vertiefend zu analysieren. Anhand typischer Siedlungssituationen wurden übertragbare Erkenntnisse für eine flächensparende Siedlungsentwicklung sowie Mindestdichtewerte in verdichteten Stadt­randlagen und ländlichen Räumen abgeleitet.

Raum verstehen: Raumbild Metropolregion Rhein-Neckar

Raumbild "Die Raumkategorien"

Die Basis des Raumverständnisses bildet eine kriteriengeleitete Raumkategorisierung des MRN. Anhand der Kriterien sollten folgende Aspekte besonders ersichtlich werden:

  • Welche Räume in der Region eine besonders dynamische Entwicklung durchlaufen,
  • welche Räume heute und perspektivisch für eine Entwicklung geeignet sind und
  • welche Ausgangslage in Bezug auf Dichte liegt vor.

Aus der breit angelegten Analyse der Metropolregion kristallisierten sich folgende Kriterienausprägungen als zentral zur Kategorisierung des Raumes heraus:

  • Hohe Arbeitsplatzzentralität: >100% (>1)
  • Hohe Neubautätigkeit in der Anzahl der Neubau­wohnungen pro Jahr: >3 Neubauwohnungen/1000 Einwohner
  • Dichtekategorien in WE/ha: <20, 20-40, >40
  • Gute ÖV-Erschließung: ÖV-Güte A oder B

Als Ergebnis steht ein Raumbild, dass einen Überblick über die Metropolregion liefert. Es offeriert eine spezifische Lesart des Raumes mit dem Ziel, die Dynamik in der MRN zu verstehen und geeignete Entwicklungsräume auf Basis der ÖV-Erschließung zu identifizieren.

Arbeitsplatzzentralität und sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort 2022
Durchschnittlich jährlich fertiggestellte Neubauwohnungen Je 1.000 EW 2011-2022
Wohneinheiten/ha je Gemeinde 2022
ÖV-Güteklasse 7:00 Uhr bis 9:00 Uhr werktags

Dichte schaffen: Dichtebild

Aufbauend auf dem Raumbild entstand ein sogenanntes Dichtebild – ein räumliches Konzept, bei dem auf Basis einer Dichtekategorisie­rung der MRN für jede Kommune spezifische Min­destdichtewerte festgelegt wurden. Auf Basis einer generalisierten räumlichen Gliederung einer Gemeinde und der Überführung der Raumkategorien des Raumbildes in Dichtekategorien entstand ein Gesamtbild aus spezifischen Mindestdichtewerten für die gesamte MRN.

Bei der Überführung der Raumkategorien zeigt sich, dass es sowohl im städtischen als auch im ländlichen Raum Kommunen gibt, welche eine Anziehungskraft auf ihre Umgebung ausüben, beziehungsweise als „Zentrum“ oder „Anker“ auf ihre Umgebung wirken. Diese unterscheiden sich insbesondere durch ihren Verstädterungsgrad und die Bedeutsamkeit ihrer zentralörtlichen Funktionen. Außerhalb der „Anker“ lassen sich grob drei unterschiedliche „Zwischenräume“ identifizieren. Diese unterscheiden sich vor allem durch ihren Verdichtungsgrad und ihrer Dynamik in der Neubautätigkeit.

Prinzipabbildung zur räumlichen Differenzierung von Dichtewerten innerhalb des kommunalen Siedlungskörpers
Konzeptionelles Schema: Überführung der Raumkategorien in Dichtekategorien
Dichtebild MRN

Dichte vertiefen: Lupenraum Nachbarschaftsverband Mannheim-Heidelberg

Mit der Analyse des Nachbarschaftsverbandes Mannheim-Heidelberg (NV) als „Lu­penraum“ des Projektes wurden anhand der bauli­chen Dichte und der bestehenden Siedlungsstrukturen übertragbare Erkenntnisse für eine flächensparende und zukunftsfähige Siedlungsentwicklung abgeleitet sowie mögliche Transformationsräume identifiziert. Unter dem Begriff Transformation wird im Rahmen dieses Projekts das Schaffen von neuem Wohnraum im Bestand verstanden. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Siedlungsstrukturen hinsichtlich der baulichen Dichte, der Siedlungsdichte und des Transformationspotenzials.

Siedlungsstrukturtypenkarte NV

Insbesondere der Strukturtyp „Gewachsener Siedlungsbereich mittlerer Dichte vor 2000“ ist ein bau­strukturell heterogener Körper, der sehr unterschied­liche Dichten erreicht. Daher erfolgt auf Basis von städtebaulichen Skizzen zu typischen und weit verbreiteten räumlichen Situationen. Über unterschiedliche städtebauli­che Varianten wurde der Einfluss gewähl­ter Bautypologien und Mischformen auf die Siedlungsdichte im Zuge einer Transformation verdeutlicht.

Transformation mit Mehrfamilienhaus-Typologien
Transformation mit gemischten Typologien