Konzeptstudie Gewerbe neu denken!
Fellbach, Deutschland
- Auftraggeber:innen
- Stadt Fellbach – Stadtplanungsamt
- Ansprechpartner:innen
- Stadt Fellbach – Stadtplanungsamt – Abteilung Stadtentwicklung
Ulrich Dilger
- Projektpartner:innen
- Hosoya Schaefer Architects AG
Amunt Nagel Theissen, PartG mbB
- Leistungen
- Machbarkeitsstudie, Städtebauliches Konzept, Testentwürfe
- Art des Auftrags
- Machbarkeitsstudie nach Angebotsaufforderung
- Bearbeitungszeitraum
- Juli 2021 bis September 2022
Der räumliche Schwerpunkt des IBA’27 Projekts „AGRICULTURE meets MANUFACTURING“ bezieht sich auf das Gewerbegebiet mit Klassifizierung als Sondergebiet Einzelhandel in Fellbach an der nordöstlichen Stadtgrenze Stuttgarts. Auf rund 60 Hektar Fläche soll ein Experimentierfeld für Nachverdichtung und Urban Agriculture umgesetzt werden.
Eine geringe Flächeneffizienz und bauliche Dichte stehen einem hohen Nachfragedruck nach Gewerbe- und Wohnbauflächen sowie Flächen zur landwirtschaftlichen Produktion im Untersuchungsraum entgegen. Das Projekt zeigt Möglichkeiten zur Neustrukturierung und Expansion im Bestand durch eine effiziente Flächenausnutzung, vertikale Stapelung und Nutzungsmischung auf. Zusätzlich werden Potenzialflächen, wie Fassaden und Dächer, hinsichtlich einer potenziellen landwirtschaftlichen und klimawirksamen Nutzung untersucht.
Rahmenbedingungen für Nachverdichtung und Urban Agriculture
In Hinblick auf die baulichen Möglichkeiten wird unter fünf grundsätzlichen Fällen in Bezug auf die Erweiterung des Bestandsgebäudes unterschieden. So kann die Flächeneffizienz durch eine Ergänzung eines Neubaus auf der Betriebsfläche, eine Aufstockung, einer Kombination dieser beiden Methoden oder einen Anbau gesteigert werden. Bei einem notwendigen Abriss bildet ein Ersatzneubau in höherer Dichte ebenfalls eine Möglichkeit zur Steigerung der baulichen Dichte. Neben der Betrachtung des Bestandsgebäudes gilt es auch die Gegebenheiten des Grundstücks und die dort stattfindende Betriebsabläufe mitzudenken.
Die baulichen Möglichkeiten verdeutlichen, welchen Aufwand eine Entwicklung im Bestand erfordert, weshalb die Motivation der Akteur:innen die entscheidende Rolle bei der Umsetzung spielt. Die Anreize für eine Bestandsentwicklung kann von einer Maximierung der Profite über die Aufwertung des Firmen-Images oder der Erweiterung der Betriebsfläche ohne Standortwechsel reichen.
Die Implementierung von urban agriculture steht in Zusammenhang mit der baulichen Weiterentwicklung, da die verschiedenen Gebäudekubaturen unterschiedliche Voraussetzungen für die urbane Landwirtschaft bieten und als Add-on zur Nachverdichtung zu betrachten sind. Einige Parameter, wie die Form des Grundrisses, eine Mindestgröße für die Anbaufläche sowie die Nutzung von Abwärme zugunsten von Synergien beider Nutzungen bilden die Basis für eine erfolgreiche Umsetzung.
Charakteristische Gewerbetypen im Bestand
Im Rahmen der Untersuchung von Nachverdichtungspotenzialen in „klassischen“ Gewerbegebieten, zu denen auch das Untersuchungsgebiet in Fellbach gezählt werden kann, können einige charakteristische Typologien identifiziert werden. Die Einteilung in Typologien dient dabei vor allem dazu, die Übertragbarkeit der konkreten Fallbeispiele auf andere räumliche Situationen und Gegebenheiten zu gewährleisten. Die Einteilung orientiert sich sowohl an der baulichen Typologie des Bestands als auch an Parametern wie der Nutzung, den Eigentumsverhältnissen, dem Betreibermodell oder dem Grad der Öffentlichkeit.
Testentwürfe für Fellbach
Zentraler Teil der Studie sind skizzenhaften Testentwürfe für ausgewählte Grundstücke. Anhand der Testentwürfe wurden Nachverdichtungsoptionen und Möglichkeiten der Integration von landwirtschaftlichen Nutzungen in experimentellen Entwürfen evaluiert.
Dabei standen eine möglichst große Bandbreite von Nachverdichtungsmöglichkeiten und die Übertragbarkeit der Beispiele im Vordergrund. Die sechs Testentwürfe sollen dabei eine Bandbreite an verschiedenen Szenarien veranschaulichen.
Der Testentwurf „Rooftop-Farm auf großer Halle“ umfasst in der heutigen Situation eine große Lager- und Distributionshalle mit rund 150 Metern Länge und 80 Metern Tiefe mit ca. 11.000m² Dachfläche. Die Halle wird derzeit durch ein kompaktes Hochregallager an der Kopfseite ergänzt. Für die Anlieferung und Lagerung des Stahls sind großzügige Flächen auf dem Grundstück freizuhalten.
Der Kerngedanke des Zukunftsszenarios ist das Nutzen der großen Gebäudeoberfläche, insbesondere die Nutzung des Daches, da diese Typologie eine wertvolle Flächenressource darstellt. Die Produktionshalle bietet aufgrund ihrer großformatigen Dachfläche gute Voraussetzungen für eine Rooftop-Farm. Dennoch ist die bestehende Halle ursprünglich als eingeschossige Gebäudehülle konzipiert worden. Daher sind die Tragwerke bereits weitestgehend ausgereizt und können voraussichtlich nur geringfügige zusätzliche Lasten aufnehmen, weshalb für die Dachflächennutzung ein eigenes Tragewerk konzipiert werden muss. Die Implementierung von High-Tech-Gewächshäuser stellen große Investitionen dar, eine Wirtschaftlichkeit ist erst ab einer Grundfläche von mindestens 10.000m² gegeben. Durch die bauliche Transformation können die bestehende und neue Nutzung in Synergie gemeinsam agieren oder als separate Nutzungen und Eigentumsstrukturen funktionieren.



